Charakterisierung - Schinderhannes 

 

Der Titelheld aus Carl Zuckmayers Drama „Schinderhannes“, der mit bürgerlichem Namen Johann Bückler heißt, ist ein Charakter, der polarisiert. Zu sehen ist dies an einer Äußerung von Bückler selbst: „Wer hier net für uns ist, der is gege uns un fliegt raus.“ (Vgl. S. 120 der verw. Ausgabe).

Bückler wird von manchen im Drama dargestellten Bürgern als „Robin Hood“ des Hunsrücks angesehen, der von den Reichen nimmt und den Armen gibt. Dies zeigt sich am Zitat: „Ich sag wenn‘s de Schinderhannes nit gäb, da müßt er erfunde werde, damit die reiche Leut auch emal merke, wo Gott wohnt!“ (Vgl. S. 78). Außerdem werden ihm Unfehlbarkeit und Unverwundbarkeit nachgesagt. Für andere gilt er schlichtweg als Krimineller (vgl. S. 78): „Das sind die Aufwiegler, die wo’s mit dem Schinderhannes halte! Das unehrlich Volk, wo kei Geld hat und kei Sittemoral!“ Schinderhannes selbst stammt aus einfachen, sogar ärmlichen Verhältnissen (vgl. S.79 bzw 89): „Mein Vater- der hat geschafft, bis ihm die Nägel blau worde sin.Heut könnt er verrecke, wenn er kein Sohn hätt! [...] Weil ich's nehm, wo ich's find!Und weil ich mir eher en Finger abbeiße deet, als für fremde Leut mei Knöchel krumm mache! bzw „Im Hintergrund das alte, zerfallene Mühlwerk, daneben ein niedriges Haus mit verrammelten Fensterläden.“ 
Hier zeigt der fiktive Schinderhannes eine sehr egoistische Seite. Früher hatte er selbst keine Besitztümer, dehalb ist er nun der Überzeugung, dass seine Raubzüge gegen die Reichen rechtens sind. Jedoch zeigt er auch Reue für seine Taten, da sie zum Tod von weiteren 19 seiner Anhänger führen (vgl. S.165): „In plötzlichem,  furchtbarem Grauen << - neunzehn Leut – Julche -neunzehn Leut!>>“ S.166: „Mit euch bin ich überall gern hingange. Aber den Gang möchte ich lieber allein mache!“

Außerdem besitzt der fiktive Schinderhannes das Talent, Menschen um sich zu scharen. Zuckmayer stellt ihn als einen jungen gutaussehenden Mann dar, zu dem sich die Frauen hingezogen fühlen. Dies zeigt sich bei einem geschilderten Streit zwischen Margaret und Julchen, welcher nach dem Fund einer Botschaft des Schinderhannes ausbricht (vgl. S. 87). Obwohl er ein Schürzenjäger zu sein scheint, zeigt seine Beziehung zu Julchen, dass er zu tieferen Gefühlen fähig ist.
Desweiteren „kaufte“ er sich, wie im Drama beschrieben, einerseits seine Freunde durch ausgegebene Runden im Wirtshaus (vgl. S. 78/79) und musste somit nicht befürchten verraten zu werden. Andererseits wusste er sein Charisma klug einzusetzen, um Personen in seinen Bann zu ziehen. So konnte er unter anderem seine Gefolgsleute zum Krieg gegen die Franzosen anstiften (vgl. S.120): „Ich nehm‘s uff mei Wort un Hand – unser Land wird sauber – un soll sauber bleibe! Jetz heißt’s nur: sammehalte!“ Seine schauspielerischen Fähigkeiten sind dabei nicht ganz unerheblich, da sie ihn und seine Gefolgsleute oft aus brenzligen Situationen retten, wie es beim Zusammentreffen der Franzosen der Fall war. Dabei gab er sich als Förster aus und wusste die Franzosen gekonnt zu verwirren (vgl. S. 117): „>> Wo fehlt’s denn, Capitaine?<< - Hab ich gesagt. - >>Ich bin hier Staatsförster un kenn mich e bißje aus!<< […] Da hab ich se dann e Streck über Land gebracht un hab mir erzähle lasse, was ich wisse wollt!“

Zum Schluss des Dramas wird deutlich, dass Schinderhannes mit seinen Taten eine große Masse an Personen erreicht hat, da sich viele Leute zu seiner Hinrichtung einfinden. Somit sieht er sich im Rummel um seine Person bestätigt (vgl. S.166): „Treht sich noch einmal um, zu Julchen, strahlend, mit lachendem Gesicht  Julche! Haste’s gehört, Julche?! Fünfzehntausend Leut!

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Person des Schinderhannes im gleichnamigen Drama als stark romantisierte, stilisierte und idealisierte Form eines Kriminellen dargestellt wird. Deswegen entspricht diese fiktive Darstellung seines Lebens keinesfalls der Realität, sondern ist eine heroisierte Inszenierung zur Unterhaltung der damaligen Bürgerschaft.

 

 

auf der Grundlage von: Zuckmayer, Carl: "Der fröhliche Weinberg – Schinderhannes", 1998. S. 73 - 166.


Kostenlose Homepage von Beepworld
 
Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist ausschließlich der
Autor dieser Homepage, kontaktierbar über dieses Formular!