Der Schinderhannes - Filmrezension


Der Schinderhannes ist ein deutscher Spielfilm aus dem Jahr 1958 unter Regie von Helmut Käutner. Es handelt sich bei der Verfilmung um eine adaptierte Version des gleichnamigen Theaterstücks von Carl Zuckmayer. Hervorzuheben ist dabei die Prominente Besetzung des Films durch Curd Jürgens (Johann Bückler „Schinderhannes“) und Maria Schell (Julchen). Der Film beschreibt vor allem die unmittelbare Zeit vor Johann Bücklers Verhaftung und Hinrichtung und versucht Eindrücke der damaligen Lebenssituation, kurz nach der Französischen Revolution, zu vermitteln. Dies gelingt jedoch nur mit starken Einschränkungen. Schon zu Beginn wird die Person des Schinderhannes als Held gezeichnet und stark romantisiert. Grundsätzlich ist schon allein die Auswahl des Schauspielers Curd Jürgens mit seiner großen und maskulinen Gestalt darauf ausgelegt Johann Bückler zu heroisieren und Jürgens, wie schon in seinen vorangegangenen Filmen (Des Teufels General) als Frauenheld darzustellen. So besteht beispielsweise eine der Anfangsszenen aus einer Prügelei im Banditenlager zwischen zwei Frauen, die um die Gesellschaft Johann Bücklers buhlen. Darüber hinaus wird kurz darauf ein Künstler nahe dem Lager aufgegriffen, der auf der Suche nach dem Schinderhannes ist, um von diesem, im Zuge seiner Reihe großer Persönlichkeiten, einen Kupferstich anzufertigen. Während dieser versucht Bückler zu überreden für ihn Modell zu stehen beschreibt er diesen wie folgt: „ Die Menschen lieben Sie! So wie Sie möchte jeder sein, wenn er könnte. Ein Kind des Volkes voller Kraft und Wagemut ohne Respekt vor Gesetz und Obrigkeit.“ Diese kurze Charakterisierung trifft es auf den Punkt. Dargestellt wird das Bild des edlen Räubertums mit dem Schinderhannes als zentraler Figur, der mit scheinbar festgelegtem Opferschema die Reichen beklaut und die Armen beschenkt, um eine Form von Gerechtigkeit zu schaffen. Als Rächer der Bauern vermittelt der Film Johann Bückler als eine Art deutscher Robin Hood und blendet damit die Realität völlig aus. Auf der anderen Seite wird jedoch versucht die Orte, wie zum Beispiel das historische Mainz, möglichst realistisch darzustellen. Auch die regionalen Akzente der Personen wurden übernommen. Daraus resultiert ein ständiges hin und her zwischen Heimatfilm, Historiendrama und einem guten Schuss Robin Hood, das den Film auf eine rein unterhaltende Ebene reduziert und ein tiefgründigeres Konzept vermissen lässt. Vor allem ist aber festzustellen, dass der Film keinesfalls geschichtliche Detailgetreue liefert. Vielmehr ist es die Verfilmung des über die Zeit entstandenen Mythos des Schinderhannes im Stile der 50er Jahre.

 

auf Grundlage der Verfilmung:

  • Käutner, Helmut: "Der Schinderhannes", 1958. Real-Film GmbH.
    (Dialogbearbeitung und Liedertexte: Carl Zuckmayer)

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